Imagefilm mal anders: Warum ein Portrait auch ein Imagefilm sein kann

Wir konnten für die Pneumologie des Kantonsspital St. Gallen einen Imagefilm erstellen. Die Aufgabe des Chefarztes war es einen zwei- bis dreiminütigen Film für die Homepage der Klinik zu erstellen. Das ganz klar definierte Ziel bestand darin, Patienten wie auch potentielle ärztliche Mitarbeiter anzusprechen und ihnen ein Bild von der Klinik und ihrer Atmosphäre zu vermitteln. Die Zielgruppe war auf 30 bis 55 Jahre definiert. Es ist eine grosse Herausforderung einen solchen Film zu erstellen und ihn für diese beiden völlig gegensätzlichen Interessengruppen interessant zu machen. Nach längerem Überlegen haben wir uns dazu entschlossen ein Konzept vorzulegen dass den Chefarzt der Klinik in den Mittelpunkt rückt.

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Interview Set: Drei Kameras und verschiedene Lichter

Er war für uns das einzige Glied das beide Interessenten, die Patienten und die Ärzte, miteinander verbindet. Wir wollten kein typisches Fakten herunter rattern und erst recht keine „Professionell, Vielseitig, Qualitätsorientiert“-Phrasendrescherei unseren Zuschauern zumuten. Wir wollten einen ehrlichen Film machen der im Kopf der Zielgruppe zu dem reift was er transportieren soll. Die Pneumologie ist eine angenehme Klinik, hier wird jeder ernst genommen, es herrscht eine warme und respektvolle Atmosphäre. Und der Chefarzt gilt als Vorbild und transportiert diese Ethik nach aussen. Somit können Patienten sich ernst genommen und geborgen fühlen, Ärzte erkennen dass es einen respektvollen Umgang gibt und der Chef auf Selbständigkeit wert legt. Auf detaillierte Informationen zu medizinischen Abläufen und Angeboten haben wir bewusst verzichtet um das Augenmerk des Filmes bei der Persönlichkeit zu belassen. Wer tieferes Interesse zeigt kann sich auf der Homepage zusätzlich belesen. Es ist also ein ganz anderer Film heraus gekommen wie man es eigentlich für einen Imagefilm für ein Krankenhaus vermuten würde.

 

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures

Eindrücke

Workflow für einen Werbefilm: Von der Pre- bis zur Postproduktion

Neulich wurden wir von Studenten der Hochschule Sankt Gallen angesprochen ob wir Lust hätten sie bei einem Projekt für ihr Studienfach „Design Thinking“ zu unterstützen. Dabei geht es darum für ein DAX-Unternehmen  ein nützliches Produkt zu entwerfen und bis zur Marktreife zu bringen. Sie werden dabei so gut es geht von ihren Dozenten und dem Unternehmen unterstützt. Die Gruppe aus 5 Studenten meldete sich bei uns weil einer von ihnen unsere Arbeit bereits von unserem Weddingfilm Stephanie & Florian kannte in dem er eine Rolle als feierlauniger Gast spielt. Unsere Aufgabe bestand nun darin, eine von den Studenten entworfene App zur internen Kommunikation der CIO’s der verschiedenen Ländervertretungen des Grossunternehmens untereinander den jeweiligen Vertretern in Form eines Filmes vorzustellen. Ebenfalls soll das Projekt und der dazugehörige Film an der Partneruniversität der HSG, der Stanford University, gezeigt werden.

Wie bei einem studentischen Projekt zu erwarten war ist das Budget praktisch nicht existent. Die Unkosten für Reise, Hotel und Essen wurden übernommen, plus ein kleiner Obulus der quasi mit dem Vorgespräch schon abgegolten war. Nichtsdestotrotz nahmen wir die Herausforderung an. Denn man lernt durch solche Projekte immer wieder neue Leute kennen und daraus können sich weitere lukrativere Aufträge ergeben. Zudem waren wir selber gespannt ob wir diese Herausforderung meistern würden denn wir haben zuvor praktisch noch nie einen komplett szenisch durchgeplanten Film gedreht.

Die Studenten sendeten uns via email die wichtigsten Fakten zum Film und den zwingend notwendigen Informationen die enthalten sein müssen um das Produkt und seine Features darzustellen. So konnten wir uns bereits vor dem ersten gemeinsamen Gespräch Gedanken zur Story machen. Bald trafen wir uns in unserem Office um nun gemeinsam die Geschichte um die zu enthaltenen Informationen zu stricken. Wir einigten uns schnell darauf dass wir keine einfache Darstellung der möglichen Funktionen haben wollten sondern dass der Umfang der App beispielhaft am Tagesablauf eines CIO’s dargestellt werden soll. Schnell waren alle zu demonstrierenden Funktionen in die Story eingewebt und notiert worden. Da wir nun im Groben wussten was wir filmen müssen konnten wir uns zu allererst die zu unserer Idee und Story passenden Musik heraus suchen! Für gewöhnlich ist http://www.themusicbed.com für uns die erste Anlaufstelle was Musik angeht. Und auch dieses Mal sind wir wieder hier fündig geworden. Ich suchte einige Tracks aus die wir den Studenten zum Probehören gaben und sie wählten ihre Favoriten aus. Die Wahl fiel dabei auf ein Stück mit klassischen Streichinstrumenten.

Storyboard Auszug

Anschliessend haben wir eine Tabelle im Word mit den Spalten Szenennummer, Bild, Beschreibung und Material, Ort, Zeit und Länge erstellt. In den Zeilen werden jeweils die geplanten Szenen aufgelistet. Nun muss man Shot für Shot genau vor dem inneren Auge ablaufen lassen und planen. Zur besseren Visualisierung haben wir für die Spalte Bild jeweils ein Bild heraus gesucht dass diese Szene gut beschreibt. Dazu eignet sich die Google Bildersuche hervorragend. Es ist auch keine Schande sich bei der Bildersuche Inspirationen zu holen wie man die geplanten Situationen filmt. Man muss nicht zwingend das Rad neu erfinden. Dabei achteten wir bereits auf die Schnitte und dass es einen flüssigen Übergang zwischen unterschiedlichen Tageszeiten und Örtlichkeiten über die Szenen hinweg gibt. Zeit und Länge konnte ich im Storyboard leider nicht mehr erfassen. Theoretisch war es so gedacht bereits die herunter geladenen Bilder fürs Storyboard in Premiere auf die Musik zu schneiden und so genau zu wissen an welcher Stelle und in welcher Länge jede einzelne Szene geplant ist. Aus zeitlichen Gründen war das jedoch nicht mehr möglich und so mussten wir uns auf unser Bauchgefühl verlassen. Was auch ziemlich in die Hose gehen kann. Es war geplant das Storyboard auszudrucken um es am Set problemlos umzuschreiben oder Notizen hinzuzufügen. Jedoch habe ich dies versäumt. Gut dass wir die digitale Version online hatten und wir so von unseren mobilen Geräten darauf zugreifen konnten.

So wie sich das Storyboard gestaltete planten wir insgesamt drei halbe und einen ganzen Drehtag ein. Anderthalb Drehtage fielen allein auf die Locations in München. Wir fuhren am Mittag nach München um bereits nach einem Spot für einen Zeitraffer am nächsten Morgen in der Nähe der Allianz-Arena zu suchen. Daraufhin drehten wir bereits am Abend die allerletzte Szene des Filmes vor dem Stadion. Dabei kam eine Canon 5D mk III mit 28mm Weitwinkelobjektiv auf einer Glidecam HD4000 zum Einsatz. Um den Ton werden wir uns bei den gesamten Dreharbeiten keine Gedanken machen müssen da der Film komplett ohne Originalton geplant ist. Natürlich nehmen die Kameras mit den internen Mikrofonen O-Ton auf der in der Not, falls wir uns doch umentscheiden würden, als minimaler Soundteppich unter der Musik völlig ausreicht. Am späten Abend gab es dann noch einen kleinen Abstecher in ein Münchner Steakhouse inklusive Fussball Liveübertragung des Championsleage Halbfinales.

Sunrise

Am nächsten Morgen verliessen wir gegen 4:45 das Hotel um pünktlich 5:30 an unserem ausgewählten Spot für den Zeitraffer vom Sonnenaufgang zu sein. Dies schafften wir wie immer gerade so. Wir stellten 2 Kameras mit Objektiven mit unterschiedlichen Brennweiten auf (16mm und 35mm) und fotografierten alle 2 Sekunden für eine knappe Stunde den morgentlichen Himmel. Dabei wurde in RAW fotografiert um später im Lightroom genügend Spielraum für die Nachbearbeitung zu haben. Leider fiel eines unserer Remote Controls aus was mich dazu zwang den Auslöser die gesamte Zeit manuell alle zwei Sekunden zu drücken da die Canon DSLRs nicht über einen internen Intervallometer wie Kameras anderer Hersteller verfügen. Anschliessend ging es in Richtung Innenstadt wo wir einige Aufnahmen von typischen Motiven machten um darzustellen dass der Film in München spielt da hier der Hauptsitz des Konzerns ist für den die App bestimmt ist. Anschliessend gab es ein kurzes Frühstück in einer Bäckerei mit einem kleinen Abstecher zum ARRI Hauptsitz in der Nachbarschaft mit der Hoffnung einen Blick auf deren hochwertige Technik werfen zu können. Aber ausser einer unspektakulären Hausfassade mit blauem Firmenlogo gab es rein gar nichts zu sehen.

Anschliessend sind wir ein wenig durch die Innenstadt gezogen und haben weitere Impressionen der Stadt gefilmt um B-Roll Aufnahmen zu haben die wir nutzen wollten um unseren Standort darzustellen. Dazu nutzten wir ein Dreibeinstativ und die Glidecam für bewegte Aufnahmen. Danach konnten wir endlich in die Firmenzentrale der Allianz um dort weitere wichtige Aufnahmen zu machen. Uns wurde für eine Stunde ein Konferenzsaal inklusive Mitarbeiter zur Verfügung gestellt um ein Meeting zu filmen. Später sind wir noch an verschiedenen Plätzen im Gebäude gewesen um Mobilität und Erreichbarkeit an verschiedenen Orten darzustellen. Am Ende fuhren wir noch mit unserem Darsteller im Wohngebiet umher um Aufnahmen im Auto zu machen. Nach einem langen Tag traten wir dann wieder die Heimreise an.

Tage später trafen wir uns erneut zu einem weiteren Dreh-Nachmittag zu Hause bei einem der Studenten. Wir wollten das Abendlicht nutzen um eine morgentliche Stimmung zu erzeugen. Uns fehlten noch die Aufnahmen vom Frühstück und dem Joggen am Morgen vor der Arbeit. Wir stellten ein Frühstücksszenario nach und leuchteten von aussen durch die offene Terrassentür mit unserem Dedolight in Richtung Tisch um eine aufgehende Sonne zu simulieren.  Nachdem wir diese Aufnahmen im Kasten hatten ging es in ein nahe gelegenes Waldstück um die Joggingaufnahmen zu machen. Dirk hat es sich im Kofferraum bequem gemacht und filmte von hinten aus dem fahrenden Auto heraus. Wir fuhren mal vorwärts und mal rückwärts um jeweils den Jogger von hinten und von vorn zu filmen. Zuletzt nutzten wir noch den Rest des Sonnenunterganges um die Szene des Einsteigens ins Auto und der Abfahrt zu filmen.

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Nun hatten wir alle Szenen im Kasten und es ging in die Post. Da wir einen genauen Plan hatten wie der Film am Ende aussehen soll ging es mit dem ersten Grobschnitt recht schnell. Es stellte sich wie immer heraus dass es eine gute Idee war die einzelnen Szenen wirklich mehrmals zu drehen und Safeshots zu machen um dann am Rechner eine Auswahl haben zu können. Eigentlich hatten wir uns schon während der Dreharbeiten auf ein klassisches Musikstück geeinigt. Mit dem ersten Grobschnitt stellte sich jedoch heraus dass es überhaupt nicht passt. Wir haben uns dann für Nr. 2 auf unserer Musikliste entschieden. Ein flottes elektronisches Stück dass die Dynamik und Modernität der App unterstützen soll. Während der Arbeiten am Schnitt erstellten uns die Studenten den Chatverlauf als Photoshop Datei. Nun konnten wir diese in Premiere einfügen und animieren. Dazu teilten wir in den jeweiligen Szenen das Bild in Dritteln auf und verteilten es über mehrere Layer. Nun legten wir die Photoshop Dateien dazwischen und programmierten simple Bewegungen mit Keyframes. Das war eine ziemliche Fummelei, sah am Ende aber doch gut aus. Wir informierten jederzeit die Studentengruppe über den aktuellen Stand des Filmes indem wir regelmässig regelmässig renderten und auf Vimeo hoch ladeten und den Link in eine eigens angelegte WhatsApp Gruppe stellten. So konnten umgehend Änderungswünsche oder Jubelschreie angebracht werden. Zum Schluss gab es noch ein wenig NeatVideo zum Entrauschen und FilmConvert für den speziellen Look oben drauf.

 

Und hier kann man nun das endgültige Ergebnis bestaunen:

 

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures

Timeline Stephanie & Florian

Grading Breakdown eines Weddingfilmes: Tipps für einen cineastischen Filmlook

 

Der Look eines Filmes hat einen grossen Einfluss auf seine Wirkung. Deshalb sollte man sich schon vor Beginn des Schneidens Gedanken machen wie am Ende der Film aussehen soll bzw. welchen Eindruck und welchen Stil er beim Publikum erreichen sollte. Möchte man etwas verrücktes Aufregendes zeigen kann ein knalliger Look mit hohem Kontrast die Aussage unterstützen. Soll es eher romantisch und sanft und geheimnisvoll zugehen kann man den Kontrast und die Farben blasser wirken lassen. Es empfiehlt sich mit einem geeigneten Shot aus dem Film ein wenig herum zu experimentieren um dann seinen Look zu finden. Es ist auch möglich, sich Inspiration bei anderen Filmen oder sogar Fotografien zu holen um diesen Look später nach zu bauen. Der frühere Film „Simone & Roland“ sollte zum Beispiel in einem Vintage Look entstehen da dies gut zum Thema der Hochzeit passte. Ich habe jedoch damals keine Ahnung gehabt wie man einen Vintage Look für einen Film kreiert. Deshalb hab ich auf Youtube nach Tutorials geschaut die den Workflow in Photoshop für Bilder erklären und habe dann versucht die einzelnen Schritte auf Premiere umzuwandeln. Das gelang überraschend gut. Bei unserem letzten aktuellen Film „Stephanie & Florian“ wollte ich einen guten cineastischen Look haben. Die Hochzeit war bodenständig aber doch aufwändig, die Gäste waren aus gutem Hause aber nicht opulent. Die Story ist sehr romantisch und wechselt zwischen schnellen und langsamen Parts. Zudem haben wir schon vor dem Dreh beschlossen den Film im Seitenverhältnis 21:9 zu drehen um den cineastischen Look nochmals zu unterstreichen. Dazu haben wir mit dünnen weissen Klebestreifen die Ober- und Unterseite des Cinemascope-Seitenverhältnisses auf das Display unserer DSLRs geklebt um schon während des Drehens gut kadrieren zu können. Zu Beginn war das für uns eine ziemliche Umstellung. Wir mussten uns umgewöhnen nun deutlich weitwinkeliger zu filmen um die Motive ins neue schmalere Bild zu bekommen. Dieses breitere Seitenverhältnis ist schon der erste grosse Schritt in Richtung cineastischem Look. Wie immer filmten wir mit dem Marvel Picture Style in 30 fps.

 

Auf Grund des Materials und des Schnittes habe ich mich für einen gefälligeren Look entschieden. Zudem ist das Brautpaar in keiner Weise an modernen Gradingarten interessiert wie das beispielsweise an vielen Orten anzutreffende entsättigte und flache Bildprofil. Bereits seit langer Zeit nutze ich das Tool FilmConvert und bin begeistert. So habe ich mich zunächst im Internet belesen welcher original Film Stock oft und in passenden Produktionen verwendet wurde. Dabei bin ich auf den Kodak KD 5207 Vis3 gestossen der mit FilmConvert emuliert werden kann. Damit war die Richtung  des Filmlooks für mich klar. Nun erarbeitete ich mir einen Workflow um das beste aus dem Canon Material heraus zu holen. Zunächst korrigierte ich jeden Clip einzeln mit dem kostenlosen Colorista I. Dazu wechselte ich in die Ansicht Farbkorrektur in Premiere und blendete mir den Waveform Monitor ein. Die Highlights legte ich zwischen 80 und 90%, die Lowlights ziemlich knapp über den Tiefstpunkt, die Mitten je nach Geschmack und Auge dazwischen. Somit habe ich eine durchgängig gleiche Helligkeit der Clips was mir später das eigentliche Graden erleichtert. Das selbe habe ich mit dem Weissabgleich mittels Schneller Farbkorrektur gemacht. Da ich so nun alle einzelnen Clips quasi in Helligkeit und Weissabgleich standardisiert hatte konnte ich nun die weiteren Einstellungen global in einer neu erstellten Einstellungsebene durchführen. So gelten nun alle Änderungen immer für alle Clips die unterhalb dieser Einstellungsebene liegen. Zunächst schärfte ich mit Unscharf Maskieren in den Einstellungen 85/1/4 nach. Hier noch einige Tipps zum Effekt Unscharf Maskieren:

 

Anschliessend legte ich das Tool NeatVideo in die Einstellungsebene und suchte mir einen ganz durchschnittlichen Clip in der Timeline heraus, legte den Abspielkopf auf ein Frame mit durchschnittlichem Rauschen im Bild und stellte anhand dessen das Rauschprofil ein. So konnte NeatVideo nun über alle Clips ein durchschnittliches Entrauschen legen. Das bringt zwar kein absolut perfektes Ergebnis auf den jeweils einzelnen Clips, aber es spart unglaublich viel Zeit. Auch NeatVideo lasse ich nochmals mit 100% das  Material schärfen um den Verlust an Schärfe den die Arbeitsweise des Entrauschens bedingt wieder einigermassen wett zu machen. Als nächsten Schritt legte ich FilmConvert in die Einstellungsebene, wählte das passende Kameraprofil der Canon 5D mk III mit Marvel Picture Style und den Filmstock KD 5207 Vis3. Da mir dies zu stark war reduzierte ich Film Color auf 80% , Curves auf 30% und den Grain auf 60%. Die Sättigung setzte ich auf 110%. Da das Material aus den Canon Kameras immer etwas rotstichig ist habe ich in den Colorwheels in FilmConvert die Tiefen und die Mitten ziemlich fest ins Grüne gezogen bis sich ein für mich angenehmes Ergebnis einstellte. Anschliessend habe ich die Luminanzeinstellungen für Tiefen, Mitten und Höhen noch etwas angepasst da mir der gesamte Look des Filmes etwas zu dunkel anmutete.

Jetzt überprüfte ich den gesamten Film inwiefern meine globalen Effekte in der Einstellungsebene die einzelnen Clips verändert haben. Einige waren beispielsweise noch nicht ausreichend entrauscht. So habe ich dann nochmals NeatVideo auf diesen einen Clip gesetzt und zusätzlich entrauscht. Einige Clips schienen mir weiterhin zu rotstichig, dies behebte ich dann mit der RGB Farbkorrektur. Zudem stellte ich fest dass die Clips die bei Tageslicht aufgenommen wurden sich zu stark von denen am Abend unterscheideten. So trennte ich die Einstellungsebene und passte NeatVideo und FilmConvert nochmals speziell auf die Abendszenen an.

Hier habe ich noch einige Vorher/Nachher Szenen zusammengestellt mit der jeweiligen Erklärung was genau gemacht wurde.

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures

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„Gerry“: Eine Behind The Scenes Story von Joe Simon

Neben vielen erfolgreichen Weddingfilmern in den USA zählt Joe Simon wohl zu den bekanntesten. Er etablierte mit seiner Art, dem Hochzeitsfilm einen cineastischen Touch zu geben, eine ganz neue Ära. Getragen von der Revolution durch die DSLRs und der damit erschwinglich gewordenen „Kinoqualität“ für jedermann, filmt Joe seit vielen Jahren erfolgreich Hochzeiten und ist weltweit gebucht. Wir hatten im April diesen Jahres das Glück an einem seiner seltenen Workshops in Europa teilnehmen zu können. Dies bot uns die Gelegenheit, Einblick in seine Art und Herangehensweise an seine filmsche Arbeit zu erlangen. Seit wenigen Jahren betreibt Joe neben seinem „Joe Simon Wedding Films“ auch den Ableger „The Delivery Men“, worunter er ebenfalls gemeinsam mit Hussain Pirani Commercials und ähnliches produziert. Nun haben sie im Auftrag von Kessler Crane eine kleine Minidoku erstellt, die zeigen soll, wie einfach man mit den Tools von Kessler ausdrucksstarke Bilder einfangen kann.

Auf der wirklich sehr informativen und schön gestalteten Seite „Kessler University“ schreibt Joe nun, wie er dieses Projekt gemeinsam mit seinen Kollegen realisiert hat. Ich werde versuchen, euch den Text sinngemäss zu übersetzen. Um es im Original zu lesen schaut doch bitte auf die Seite von KesslerUniversity. Die Links findet ihr ganz am Ende dieses Beitrages.

 

Pre Production

Nachdem ich von einem Kunden für ein Projekt angefragt werde setzen verschiedene Denkprozesse ein. Ist dies die Art Arbeit die wir machen wollen? Passt das in die Art wie wir filmen? Können wir uns damit identifizieren? Denn wenn wir uns nicht damit identifizieren können werden wir keine 100%ige Arbeit bringen. Wenn wir das Projekt angenommen haben fragen wir uns, wie wir einen Film erstellen, der genau das schafft was der Kunde möchte. Wie können wir es gewährleisten dass der Kunde seine Investition zurück bekommt? Dann geht es ans Brainstormen um ein Konzept zu finden. Ist das Konzept einmal erstellt, tauchen wir mit dem Storyboard, dem Script und der Shotliste tiefer in die Vorproduktion ein. Anschliessend überlegen wir welches Equipment und wie viele Leute wir für die Crew brauchen.

Dafür geht viel Zeit drauf. So eine Vorproduktion ist wirklich aufwändig, aber damit steht und fällt eine Produktion. Speziell für diesen Film, der als Mini-Dokumentation geplant war, benötigten wir allerdings nicht ganz so viel Zeit.

Er schickte uns einige Bilder damit wir uns ein Bild von den Räumlichkeiten machen konnten um das Beleuchten zu planen. Ich machte mir auch Notizen darüber wie ich zum Beispiel den Tisch mit Gegenständen ausstaffiere, um einen interessanten Vordergrund zu schaffen, oder über spezielle Aufnahmen die ich unbedingt machen will.

Bevor wir irgendwelches Equip abladeten haben wir zunächst einen Rundgang gemacht um uns ein Bild von dem zu verschaffen was uns erwartet.

Aussenaufnahmen

Für die Aussenaufnahmen benutzten wir unser MoVi um Gerry und seine Familie zu filmen, wie sie sich rund ums Haus bewegen, Fische fütterten und so weiter. Um die geographische Lage und die Landschaft aus der Luft zu zeigen filmten wir mit dem Quadrokopter DJI Phantom 2 mit 3-Achsen-Gimbal.

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Beleuchtung

Im ersten Raum stand Gerrys Arbeitstisch mit seinen Gravurwerkzeugen und ein Mikroskop mit einem wirklich hellen Licht, das Tageslichtcharakter hatte. Zudem gab es ein Fenster dass nach Westen gerichtet war und etwas Licht herein liess, mir aber nicht gefallen hatte. Also haben wir einige extragrosse schwarze Müllsäcke genommen und diese mit Tape vor das Fenster geklebt. Ziel war es, den Raum komplett dunkel zu haben und dann mit dem Beleuchten bei Null anzufangen. Ich wollte das Licht über ihm verstärken, also befestigten wir ein 200 Watt Lowel Pro Licht mittels eines Statives über ihm, plus ein Gel (Farbfilter) um das Licht natürlicher und diffuser wirken zu lassen. Allein das geb uns schon ein tolles Licht für diesen Raum und seinen Arbeitsplatz. Die Waffe an der er arbeitete reflektierte das Licht von unten direkt in sein Gesicht. Wir nutzten einige LEDs um die Wände im Hintergrund zu beleuchten, oder um kleine Akzente zu setzen. Wie zum Beispiel der Plattenspieler oder die Safes auf der anderen Seite. Wir benutzten auch einen Vernebler um mehr Tiefe im Raum zu gestalten. So entstand die Illusion dass man die Luft im Raum sehen kann, was eine weitere Ebene schuf.

Joe-Wide-Main-Room

Die Kameras

C300
Die C300 benutze ich für alles. Warum ich sie mag:

1. Sie ist kompakt und klein, also kann ich sie schnell überall in verschiedenen Konfigurationen aufbauen und benutzen
2. Sie braucht nicht tonnenweise Speicherplatz, es reichen CF Karten, und der sinnvolle Codec ist gut in der Post händelbar.
3. Sie nimmt in C-Log auf, was mir einen tollen Dynamikumfang bringt und mir erlaubt die Farben so weit zu graden wie ich möchte. Es fühlt sich an als würde man mit einer RED oder F55 oder Alexa drehen. Zumindest wenn man im Log-Modus ist und gut beleuchtet bekommt man ein wirklich vergleichbares Bild.

C100
Meine C100 hat das Autofocus Update. Daher benutzten wir sie im ersten Raum für die Aufnahmen mit dem Kessler Kran und dem Rev 2 Schwenk- und Drehkopf. Mit dieser Kombo konnten wir wirklich dynamische Aufnahmen machen. Wir konnten ganz nah an der Waffe beginnen um dann nach oben zu gehen, vor und zurück und dabei die Kamera zu rotieren um einen zusätzlichen Effekt zu generieren. Wir waren begeistert wie gut das Ergebnis aussah.

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Zeitraffer

Wir filmten auch in einem weiteren Raum im Haus, im Zeichenzimmer, wo er seine Design-Skizzen anfertigt bevor er mit dem Gravieren der Waffen beginnt. Dort machte der zweite Filmer einen Zeitraffer mit Hilfe des Kessler Parallax. Dafür benutzten wir die 5D MK3, die wir während er zeichnete an ihm vorbei führten und gleichzeitig drehten. Das war ein grossartiges Mittel um filmisch zu zeigen wie zeitaufwändig dieser Prozess ist.

Joe-Simon-Parallax

Links:

In The Field With Joe Simon

Home

Gerry: A Kessler Short

http://joesimonweddingfilms.com/
http://the-delivery-men.com/

 

 

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures

12 Years A Slave

Oscarreife Bilder: Lernen vom Kameramann Sean Bobbitt

Im letzten Jahr gab es einen ganz besonders aufwühlenden Film in den Kinos, der mit spektakulär schönen Bildern ein furchtbares Kapitel der amerikanischen Geschichte beschreibt. „12 Years A Slave“ konnte auch die Oscar-Jury begeistern und erhielt den Preis für „Bester Film“. Natürlich braucht es ein hervorragendes Drehbuch, engagierte Schauspieler und einen verbissenen Regisseur. Aber auch einen guten Director of Photography, der die Bilder, die im Kopf von Autor und Regisseur enstehen, dann real auf Zelluloid bannen und somit das Erlebnis Filmstory für jeden sichtbar wird. In einem Interview erläutert Bobbitt die Hintergründe zu seinen Beweggründen, wie er welche Szene plante und was er mit welchen Techniken ausdrücken wollte. Warum lässt er die Protagonisten in der wunderbaren Landschaft Louisianas, mit schönen Kamerafahrten und bei zauberhaftem Licht die brutalsten Qualen erleiden die wohl Menschen jemals anderen Menschen angetan haben. Warum entscheidet er sich an einigen Stellen für anstrengend lange One-Shot-Sequenzen (lange Zeit ohne Schnitt)?

Doch zunächstfür alle die den Film noch nicht gesehen haben, damit wir wissen worum es in dem Streifen überhaupt geht, hier der Trailer:

 

Und hier das cinefii Interview von Sean Bobbitt:

 

Wer mehr von Sean Bobbitt lernen möchte, dem sei dieser sehr interessante 1h 36min lange Mitschnitt eines ARRI Workshops empfohlen. Hier erläutert er viel Wissenswertes über die Art und Weise des Filmens mit einer Schulterkamera, das ganze versetzt mit etwas Lobhudelei für den Sponsor ARRI.

 

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures

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Stör- und Nebengeräusche entfernen: Workflow mit Adobe Audition CC

Wir kennen das wohl alle: Trotz grosser Bemühungen bei der Tonaufnahme lässt es sich kaum vermeiden dass immer wieder Störgeräusche auftreten. Seien es Sirenen im Hintergrund, vorüber fliegende Flugzeuge, Babygeschrei oder Kamerajingles der Gäste in der Kirche. Auch dauerhafte Hintergrundstörungen, sei es von der laufenden Klimaanlage, Computerlüftern oder surrenden Kühlschränken. All diese Geräusche stören unsere Tonaufnahmen und lassen sie unprofessionell erscheinen. Besonders in Situationen, in denen wir maximale Aufmerksamkeit auf zum Beispiel Gesprochenes lenken wollen, wirken diese Nebengeräusche störend. Gottseidank gibt uns Adobe Audition CC die Möglichkeit, unsere verhunzten Audioaufnahmen in der Nachbearbeitung etwas zu tunen und an der ein oder anderen Stelle zu „mogeln“. Via Dynamic Link können Audiofiles aus Premiere heraus bearbeitet werden, ähnlich wie es auch mit After Effects gemacht wird.

Im folgenden Video wird erläutert, wie einfach wir in Audition ärgerliche Nebengeräusche entfernen.

http://adobe.ly/18VP4EB

 

Wie wir Hintergrundgeräusche und Rauschen entfernen zeigt uns dieser Clip.

http://adobe.ly/11N7acF

 

Mit Audition habt ihr also die Möglichkeit, eure Tonaufnahmen etwas aufzuwerten, auch wenn es nicht immer einfach ist, die richtige Balance zwischen Noise Reduction und Qualitätseinbussen zu finden.

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures

VashiVisuals

Post Production perfektionieren: Kompletter Workflow in Adobe CC

Der gebürtige czechische Filmemacher Vashi Nedomansky, der seit seinem 5. Lebensjahr in den USA lebt, hat in einem epischen Artikel den kompletten Postproduction-Workflow zu seinem eigenfinanzierten Indie-Film THE GRIND niedergeschrieben. Er beschreibt das Importieren und Schneiden in Premiere, die Audiobearbeitung in Audition, die Visual Effects in After Effects und dem finalen Grading in Speedgrade. In diesem Post steht wirklich alles drin was ihr für das Arbeiten mit der Adobe Creative Cloud benötigt, um eure Projekte professionell zu produzieren. Viele Tipps und Tricks in kurzem und knackigem Umfang könnt ihr hier nachlesen:

http://vashivisuals.com/grind-perfecting-post-production-workflow/

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures