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Grading Breakdown eines Weddingfilmes: Tipps für einen cineastischen Filmlook

 

Der Look eines Filmes hat einen grossen Einfluss auf seine Wirkung. Deshalb sollte man sich schon vor Beginn des Schneidens Gedanken machen wie am Ende der Film aussehen soll bzw. welchen Eindruck und welchen Stil er beim Publikum erreichen sollte. Möchte man etwas verrücktes Aufregendes zeigen kann ein knalliger Look mit hohem Kontrast die Aussage unterstützen. Soll es eher romantisch und sanft und geheimnisvoll zugehen kann man den Kontrast und die Farben blasser wirken lassen. Es empfiehlt sich mit einem geeigneten Shot aus dem Film ein wenig herum zu experimentieren um dann seinen Look zu finden. Es ist auch möglich, sich Inspiration bei anderen Filmen oder sogar Fotografien zu holen um diesen Look später nach zu bauen. Der frühere Film „Simone & Roland“ sollte zum Beispiel in einem Vintage Look entstehen da dies gut zum Thema der Hochzeit passte. Ich habe jedoch damals keine Ahnung gehabt wie man einen Vintage Look für einen Film kreiert. Deshalb hab ich auf Youtube nach Tutorials geschaut die den Workflow in Photoshop für Bilder erklären und habe dann versucht die einzelnen Schritte auf Premiere umzuwandeln. Das gelang überraschend gut. Bei unserem letzten aktuellen Film „Stephanie & Florian“ wollte ich einen guten cineastischen Look haben. Die Hochzeit war bodenständig aber doch aufwändig, die Gäste waren aus gutem Hause aber nicht opulent. Die Story ist sehr romantisch und wechselt zwischen schnellen und langsamen Parts. Zudem haben wir schon vor dem Dreh beschlossen den Film im Seitenverhältnis 21:9 zu drehen um den cineastischen Look nochmals zu unterstreichen. Dazu haben wir mit dünnen weissen Klebestreifen die Ober- und Unterseite des Cinemascope-Seitenverhältnisses auf das Display unserer DSLRs geklebt um schon während des Drehens gut kadrieren zu können. Zu Beginn war das für uns eine ziemliche Umstellung. Wir mussten uns umgewöhnen nun deutlich weitwinkeliger zu filmen um die Motive ins neue schmalere Bild zu bekommen. Dieses breitere Seitenverhältnis ist schon der erste grosse Schritt in Richtung cineastischem Look. Wie immer filmten wir mit dem Marvel Picture Style in 30 fps.

 

Auf Grund des Materials und des Schnittes habe ich mich für einen gefälligeren Look entschieden. Zudem ist das Brautpaar in keiner Weise an modernen Gradingarten interessiert wie das beispielsweise an vielen Orten anzutreffende entsättigte und flache Bildprofil. Bereits seit langer Zeit nutze ich das Tool FilmConvert und bin begeistert. So habe ich mich zunächst im Internet belesen welcher original Film Stock oft und in passenden Produktionen verwendet wurde. Dabei bin ich auf den Kodak KD 5207 Vis3 gestossen der mit FilmConvert emuliert werden kann. Damit war die Richtung  des Filmlooks für mich klar. Nun erarbeitete ich mir einen Workflow um das beste aus dem Canon Material heraus zu holen. Zunächst korrigierte ich jeden Clip einzeln mit dem kostenlosen Colorista I. Dazu wechselte ich in die Ansicht Farbkorrektur in Premiere und blendete mir den Waveform Monitor ein. Die Highlights legte ich zwischen 80 und 90%, die Lowlights ziemlich knapp über den Tiefstpunkt, die Mitten je nach Geschmack und Auge dazwischen. Somit habe ich eine durchgängig gleiche Helligkeit der Clips was mir später das eigentliche Graden erleichtert. Das selbe habe ich mit dem Weissabgleich mittels Schneller Farbkorrektur gemacht. Da ich so nun alle einzelnen Clips quasi in Helligkeit und Weissabgleich standardisiert hatte konnte ich nun die weiteren Einstellungen global in einer neu erstellten Einstellungsebene durchführen. So gelten nun alle Änderungen immer für alle Clips die unterhalb dieser Einstellungsebene liegen. Zunächst schärfte ich mit Unscharf Maskieren in den Einstellungen 85/1/4 nach. Hier noch einige Tipps zum Effekt Unscharf Maskieren:

 

Anschliessend legte ich das Tool NeatVideo in die Einstellungsebene und suchte mir einen ganz durchschnittlichen Clip in der Timeline heraus, legte den Abspielkopf auf ein Frame mit durchschnittlichem Rauschen im Bild und stellte anhand dessen das Rauschprofil ein. So konnte NeatVideo nun über alle Clips ein durchschnittliches Entrauschen legen. Das bringt zwar kein absolut perfektes Ergebnis auf den jeweils einzelnen Clips, aber es spart unglaublich viel Zeit. Auch NeatVideo lasse ich nochmals mit 100% das  Material schärfen um den Verlust an Schärfe den die Arbeitsweise des Entrauschens bedingt wieder einigermassen wett zu machen. Als nächsten Schritt legte ich FilmConvert in die Einstellungsebene, wählte das passende Kameraprofil der Canon 5D mk III mit Marvel Picture Style und den Filmstock KD 5207 Vis3. Da mir dies zu stark war reduzierte ich Film Color auf 80% , Curves auf 30% und den Grain auf 60%. Die Sättigung setzte ich auf 110%. Da das Material aus den Canon Kameras immer etwas rotstichig ist habe ich in den Colorwheels in FilmConvert die Tiefen und die Mitten ziemlich fest ins Grüne gezogen bis sich ein für mich angenehmes Ergebnis einstellte. Anschliessend habe ich die Luminanzeinstellungen für Tiefen, Mitten und Höhen noch etwas angepasst da mir der gesamte Look des Filmes etwas zu dunkel anmutete.

Jetzt überprüfte ich den gesamten Film inwiefern meine globalen Effekte in der Einstellungsebene die einzelnen Clips verändert haben. Einige waren beispielsweise noch nicht ausreichend entrauscht. So habe ich dann nochmals NeatVideo auf diesen einen Clip gesetzt und zusätzlich entrauscht. Einige Clips schienen mir weiterhin zu rotstichig, dies behebte ich dann mit der RGB Farbkorrektur. Zudem stellte ich fest dass die Clips die bei Tageslicht aufgenommen wurden sich zu stark von denen am Abend unterscheideten. So trennte ich die Einstellungsebene und passte NeatVideo und FilmConvert nochmals speziell auf die Abendszenen an.

Hier habe ich noch einige Vorher/Nachher Szenen zusammengestellt mit der jeweiligen Erklärung was genau gemacht wurde.

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures