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Grading Breakdown eines Weddingfilmes: Tipps für einen cineastischen Filmlook

 

Der Look eines Filmes hat einen grossen Einfluss auf seine Wirkung. Deshalb sollte man sich schon vor Beginn des Schneidens Gedanken machen wie am Ende der Film aussehen soll bzw. welchen Eindruck und welchen Stil er beim Publikum erreichen sollte. Möchte man etwas verrücktes Aufregendes zeigen kann ein knalliger Look mit hohem Kontrast die Aussage unterstützen. Soll es eher romantisch und sanft und geheimnisvoll zugehen kann man den Kontrast und die Farben blasser wirken lassen. Es empfiehlt sich mit einem geeigneten Shot aus dem Film ein wenig herum zu experimentieren um dann seinen Look zu finden. Es ist auch möglich, sich Inspiration bei anderen Filmen oder sogar Fotografien zu holen um diesen Look später nach zu bauen. Der frühere Film „Simone & Roland“ sollte zum Beispiel in einem Vintage Look entstehen da dies gut zum Thema der Hochzeit passte. Ich habe jedoch damals keine Ahnung gehabt wie man einen Vintage Look für einen Film kreiert. Deshalb hab ich auf Youtube nach Tutorials geschaut die den Workflow in Photoshop für Bilder erklären und habe dann versucht die einzelnen Schritte auf Premiere umzuwandeln. Das gelang überraschend gut. Bei unserem letzten aktuellen Film „Stephanie & Florian“ wollte ich einen guten cineastischen Look haben. Die Hochzeit war bodenständig aber doch aufwändig, die Gäste waren aus gutem Hause aber nicht opulent. Die Story ist sehr romantisch und wechselt zwischen schnellen und langsamen Parts. Zudem haben wir schon vor dem Dreh beschlossen den Film im Seitenverhältnis 21:9 zu drehen um den cineastischen Look nochmals zu unterstreichen. Dazu haben wir mit dünnen weissen Klebestreifen die Ober- und Unterseite des Cinemascope-Seitenverhältnisses auf das Display unserer DSLRs geklebt um schon während des Drehens gut kadrieren zu können. Zu Beginn war das für uns eine ziemliche Umstellung. Wir mussten uns umgewöhnen nun deutlich weitwinkeliger zu filmen um die Motive ins neue schmalere Bild zu bekommen. Dieses breitere Seitenverhältnis ist schon der erste grosse Schritt in Richtung cineastischem Look. Wie immer filmten wir mit dem Marvel Picture Style in 30 fps.

 

Auf Grund des Materials und des Schnittes habe ich mich für einen gefälligeren Look entschieden. Zudem ist das Brautpaar in keiner Weise an modernen Gradingarten interessiert wie das beispielsweise an vielen Orten anzutreffende entsättigte und flache Bildprofil. Bereits seit langer Zeit nutze ich das Tool FilmConvert und bin begeistert. So habe ich mich zunächst im Internet belesen welcher original Film Stock oft und in passenden Produktionen verwendet wurde. Dabei bin ich auf den Kodak KD 5207 Vis3 gestossen der mit FilmConvert emuliert werden kann. Damit war die Richtung  des Filmlooks für mich klar. Nun erarbeitete ich mir einen Workflow um das beste aus dem Canon Material heraus zu holen. Zunächst korrigierte ich jeden Clip einzeln mit dem kostenlosen Colorista I. Dazu wechselte ich in die Ansicht Farbkorrektur in Premiere und blendete mir den Waveform Monitor ein. Die Highlights legte ich zwischen 80 und 90%, die Lowlights ziemlich knapp über den Tiefstpunkt, die Mitten je nach Geschmack und Auge dazwischen. Somit habe ich eine durchgängig gleiche Helligkeit der Clips was mir später das eigentliche Graden erleichtert. Das selbe habe ich mit dem Weissabgleich mittels Schneller Farbkorrektur gemacht. Da ich so nun alle einzelnen Clips quasi in Helligkeit und Weissabgleich standardisiert hatte konnte ich nun die weiteren Einstellungen global in einer neu erstellten Einstellungsebene durchführen. So gelten nun alle Änderungen immer für alle Clips die unterhalb dieser Einstellungsebene liegen. Zunächst schärfte ich mit Unscharf Maskieren in den Einstellungen 85/1/4 nach. Hier noch einige Tipps zum Effekt Unscharf Maskieren:

 

Anschliessend legte ich das Tool NeatVideo in die Einstellungsebene und suchte mir einen ganz durchschnittlichen Clip in der Timeline heraus, legte den Abspielkopf auf ein Frame mit durchschnittlichem Rauschen im Bild und stellte anhand dessen das Rauschprofil ein. So konnte NeatVideo nun über alle Clips ein durchschnittliches Entrauschen legen. Das bringt zwar kein absolut perfektes Ergebnis auf den jeweils einzelnen Clips, aber es spart unglaublich viel Zeit. Auch NeatVideo lasse ich nochmals mit 100% das  Material schärfen um den Verlust an Schärfe den die Arbeitsweise des Entrauschens bedingt wieder einigermassen wett zu machen. Als nächsten Schritt legte ich FilmConvert in die Einstellungsebene, wählte das passende Kameraprofil der Canon 5D mk III mit Marvel Picture Style und den Filmstock KD 5207 Vis3. Da mir dies zu stark war reduzierte ich Film Color auf 80% , Curves auf 30% und den Grain auf 60%. Die Sättigung setzte ich auf 110%. Da das Material aus den Canon Kameras immer etwas rotstichig ist habe ich in den Colorwheels in FilmConvert die Tiefen und die Mitten ziemlich fest ins Grüne gezogen bis sich ein für mich angenehmes Ergebnis einstellte. Anschliessend habe ich die Luminanzeinstellungen für Tiefen, Mitten und Höhen noch etwas angepasst da mir der gesamte Look des Filmes etwas zu dunkel anmutete.

Jetzt überprüfte ich den gesamten Film inwiefern meine globalen Effekte in der Einstellungsebene die einzelnen Clips verändert haben. Einige waren beispielsweise noch nicht ausreichend entrauscht. So habe ich dann nochmals NeatVideo auf diesen einen Clip gesetzt und zusätzlich entrauscht. Einige Clips schienen mir weiterhin zu rotstichig, dies behebte ich dann mit der RGB Farbkorrektur. Zudem stellte ich fest dass die Clips die bei Tageslicht aufgenommen wurden sich zu stark von denen am Abend unterscheideten. So trennte ich die Einstellungsebene und passte NeatVideo und FilmConvert nochmals speziell auf die Abendszenen an.

Hier habe ich noch einige Vorher/Nachher Szenen zusammengestellt mit der jeweiligen Erklärung was genau gemacht wurde.

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures

„Gerry“: Eine Behind The Scenes Story von Joe Simon

Neben vielen erfolgreichen Weddingfilmern in den USA zählt Joe Simon wohl zu den bekanntesten. Er etablierte mit seiner Art, dem Hochzeitsfilm einen cineastischen Touch zu geben, eine ganz neue Ära. Getragen von der Revolution durch die DSLRs und der damit erschwinglich gewordenen „Kinoqualität“ für jedermann, filmt Joe seit vielen Jahren erfolgreich Hochzeiten und ist weltweit gebucht. Wir hatten im April diesen Jahres das Glück an einem seiner seltenen Workshops in Europa teilnehmen zu können. Dies bot uns die Gelegenheit, Einblick in seine Art und Herangehensweise an seine filmsche Arbeit zu erlangen. Seit wenigen Jahren betreibt Joe neben seinem „Joe Simon Wedding Films“ auch den Ableger „The Delivery Men“, worunter er ebenfalls gemeinsam mit Hussain Pirani Commercials und ähnliches produziert. Nun haben sie im Auftrag von Kessler Crane eine kleine Minidoku erstellt, die zeigen soll, wie einfach man mit den Tools von Kessler ausdrucksstarke Bilder einfangen kann.

Auf der wirklich sehr informativen und schön gestalteten Seite „Kessler University“ schreibt Joe nun, wie er dieses Projekt gemeinsam mit seinen Kollegen realisiert hat. Ich werde versuchen, euch den Text sinngemäss zu übersetzen. Um es im Original zu lesen schaut doch bitte auf die Seite von KesslerUniversity. Die Links findet ihr ganz am Ende dieses Beitrages.

 

Pre Production

Nachdem ich von einem Kunden für ein Projekt angefragt werde setzen verschiedene Denkprozesse ein. Ist dies die Art Arbeit die wir machen wollen? Passt das in die Art wie wir filmen? Können wir uns damit identifizieren? Denn wenn wir uns nicht damit identifizieren können werden wir keine 100%ige Arbeit bringen. Wenn wir das Projekt angenommen haben fragen wir uns, wie wir einen Film erstellen, der genau das schafft was der Kunde möchte. Wie können wir es gewährleisten dass der Kunde seine Investition zurück bekommt? Dann geht es ans Brainstormen um ein Konzept zu finden. Ist das Konzept einmal erstellt, tauchen wir mit dem Storyboard, dem Script und der Shotliste tiefer in die Vorproduktion ein. Anschliessend überlegen wir welches Equipment und wie viele Leute wir für die Crew brauchen.

Dafür geht viel Zeit drauf. So eine Vorproduktion ist wirklich aufwändig, aber damit steht und fällt eine Produktion. Speziell für diesen Film, der als Mini-Dokumentation geplant war, benötigten wir allerdings nicht ganz so viel Zeit.

Er schickte uns einige Bilder damit wir uns ein Bild von den Räumlichkeiten machen konnten um das Beleuchten zu planen. Ich machte mir auch Notizen darüber wie ich zum Beispiel den Tisch mit Gegenständen ausstaffiere, um einen interessanten Vordergrund zu schaffen, oder über spezielle Aufnahmen die ich unbedingt machen will.

Bevor wir irgendwelches Equip abladeten haben wir zunächst einen Rundgang gemacht um uns ein Bild von dem zu verschaffen was uns erwartet.

Aussenaufnahmen

Für die Aussenaufnahmen benutzten wir unser MoVi um Gerry und seine Familie zu filmen, wie sie sich rund ums Haus bewegen, Fische fütterten und so weiter. Um die geographische Lage und die Landschaft aus der Luft zu zeigen filmten wir mit dem Quadrokopter DJI Phantom 2 mit 3-Achsen-Gimbal.

Engraving-Room-Wide-with-Lights

Beleuchtung

Im ersten Raum stand Gerrys Arbeitstisch mit seinen Gravurwerkzeugen und ein Mikroskop mit einem wirklich hellen Licht, das Tageslichtcharakter hatte. Zudem gab es ein Fenster dass nach Westen gerichtet war und etwas Licht herein liess, mir aber nicht gefallen hatte. Also haben wir einige extragrosse schwarze Müllsäcke genommen und diese mit Tape vor das Fenster geklebt. Ziel war es, den Raum komplett dunkel zu haben und dann mit dem Beleuchten bei Null anzufangen. Ich wollte das Licht über ihm verstärken, also befestigten wir ein 200 Watt Lowel Pro Licht mittels eines Statives über ihm, plus ein Gel (Farbfilter) um das Licht natürlicher und diffuser wirken zu lassen. Allein das geb uns schon ein tolles Licht für diesen Raum und seinen Arbeitsplatz. Die Waffe an der er arbeitete reflektierte das Licht von unten direkt in sein Gesicht. Wir nutzten einige LEDs um die Wände im Hintergrund zu beleuchten, oder um kleine Akzente zu setzen. Wie zum Beispiel der Plattenspieler oder die Safes auf der anderen Seite. Wir benutzten auch einen Vernebler um mehr Tiefe im Raum zu gestalten. So entstand die Illusion dass man die Luft im Raum sehen kann, was eine weitere Ebene schuf.

Joe-Wide-Main-Room

Die Kameras

C300
Die C300 benutze ich für alles. Warum ich sie mag:

1. Sie ist kompakt und klein, also kann ich sie schnell überall in verschiedenen Konfigurationen aufbauen und benutzen
2. Sie braucht nicht tonnenweise Speicherplatz, es reichen CF Karten, und der sinnvolle Codec ist gut in der Post händelbar.
3. Sie nimmt in C-Log auf, was mir einen tollen Dynamikumfang bringt und mir erlaubt die Farben so weit zu graden wie ich möchte. Es fühlt sich an als würde man mit einer RED oder F55 oder Alexa drehen. Zumindest wenn man im Log-Modus ist und gut beleuchtet bekommt man ein wirklich vergleichbares Bild.

C100
Meine C100 hat das Autofocus Update. Daher benutzten wir sie im ersten Raum für die Aufnahmen mit dem Kessler Kran und dem Rev 2 Schwenk- und Drehkopf. Mit dieser Kombo konnten wir wirklich dynamische Aufnahmen machen. Wir konnten ganz nah an der Waffe beginnen um dann nach oben zu gehen, vor und zurück und dabei die Kamera zu rotieren um einen zusätzlichen Effekt zu generieren. Wir waren begeistert wie gut das Ergebnis aussah.

Joe-UniDrive-Sketching1

Zeitraffer

Wir filmten auch in einem weiteren Raum im Haus, im Zeichenzimmer, wo er seine Design-Skizzen anfertigt bevor er mit dem Gravieren der Waffen beginnt. Dort machte der zweite Filmer einen Zeitraffer mit Hilfe des Kessler Parallax. Dafür benutzten wir die 5D MK3, die wir während er zeichnete an ihm vorbei führten und gleichzeitig drehten. Das war ein grossartiges Mittel um filmisch zu zeigen wie zeitaufwändig dieser Prozess ist.

Joe-Simon-Parallax

Links:

In The Field With Joe Simon

Home

Gerry: A Kessler Short

http://joesimonweddingfilms.com/
http://the-delivery-men.com/

 

 

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures

Oscarreife Bilder: Lernen vom Kameramann Sean Bobbitt

Im letzten Jahr gab es einen ganz besonders aufwühlenden Film in den Kinos, der mit spektakulär schönen Bildern ein furchtbares Kapitel der amerikanischen Geschichte beschreibt. „12 Years A Slave“ konnte auch die Oscar-Jury begeistern und erhielt den Preis für „Bester Film“. Natürlich braucht es ein hervorragendes Drehbuch, engagierte Schauspieler und einen verbissenen Regisseur. Aber auch einen guten Director of Photography, der die Bilder, die im Kopf von Autor und Regisseur enstehen, dann real auf Zelluloid bannen und somit das Erlebnis Filmstory für jeden sichtbar wird. In einem Interview erläutert Bobbitt die Hintergründe zu seinen Beweggründen, wie er welche Szene plante und was er mit welchen Techniken ausdrücken wollte. Warum lässt er die Protagonisten in der wunderbaren Landschaft Louisianas, mit schönen Kamerafahrten und bei zauberhaftem Licht die brutalsten Qualen erleiden die wohl Menschen jemals anderen Menschen angetan haben. Warum entscheidet er sich an einigen Stellen für anstrengend lange One-Shot-Sequenzen (lange Zeit ohne Schnitt)?

Doch zunächstfür alle die den Film noch nicht gesehen haben, damit wir wissen worum es in dem Streifen überhaupt geht, hier der Trailer:

 

Und hier das cinefii Interview von Sean Bobbitt:

 

Wer mehr von Sean Bobbitt lernen möchte, dem sei dieser sehr interessante 1h 36min lange Mitschnitt eines ARRI Workshops empfohlen. Hier erläutert er viel Wissenswertes über die Art und Weise des Filmens mit einer Schulterkamera, das ganze versetzt mit etwas Lobhudelei für den Sponsor ARRI.

 

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures

Stör- und Nebengeräusche entfernen: Workflow mit Adobe Audition CC

Wir kennen das wohl alle: Trotz grosser Bemühungen bei der Tonaufnahme lässt es sich kaum vermeiden dass immer wieder Störgeräusche auftreten. Seien es Sirenen im Hintergrund, vorüber fliegende Flugzeuge, Babygeschrei oder Kamerajingles der Gäste in der Kirche. Auch dauerhafte Hintergrundstörungen, sei es von der laufenden Klimaanlage, Computerlüftern oder surrenden Kühlschränken. All diese Geräusche stören unsere Tonaufnahmen und lassen sie unprofessionell erscheinen. Besonders in Situationen, in denen wir maximale Aufmerksamkeit auf zum Beispiel Gesprochenes lenken wollen, wirken diese Nebengeräusche störend. Gottseidank gibt uns Adobe Audition CC die Möglichkeit, unsere verhunzten Audioaufnahmen in der Nachbearbeitung etwas zu tunen und an der ein oder anderen Stelle zu „mogeln“. Via Dynamic Link können Audiofiles aus Premiere heraus bearbeitet werden, ähnlich wie es auch mit After Effects gemacht wird.

Im folgenden Video wird erläutert, wie einfach wir in Audition ärgerliche Nebengeräusche entfernen.

http://adobe.ly/18VP4EB

 

Wie wir Hintergrundgeräusche und Rauschen entfernen zeigt uns dieser Clip.

http://adobe.ly/11N7acF

 

Mit Audition habt ihr also die Möglichkeit, eure Tonaufnahmen etwas aufzuwerten, auch wenn es nicht immer einfach ist, die richtige Balance zwischen Noise Reduction und Qualitätseinbussen zu finden.

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures

Die Top 10 TED Talks zum Thema Storytelling und Filmen

Schon seit Jahren geben sich bei den bekannten TED Talks Menschen die Klinke in die Hand, die wirklich was zu sagen haben. Die Kollegen von Screencraft haben ihre persönlichen Top Ten der Reden zusammengestellt, die verschiedene Themen rund ums Filme machen behandeln. Die Ausführungen von Rob Legato (Apollo 13), Julian Friedmann (Autorenagent aus L.A.) und Andrew Stanton (Toy Story, Wall-E)  sind meine ganz eigenen Favoriten.

 

 

 

 

Und hier der Link zum Post von Screencraft und weiteren spannenden TED Talks!

Name of Writer

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures

Neuer Wedding Highlightsfilm von Starshine Pictures: Kroatische Hochzeit am Bodensee

Schon vor einiger Zeit durften wir die Hochzeit von Jelena und Daniel am Bodensee dokumentieren. Die Trauung fand in der Kirche zu Allensbach statt, die Feier in Konstanz. Neben diesem knapp neun Minuten langen Highlightsfilm bekam das Brautpaar von uns eine 2h 20 min lange Dokumentation, die nochmals alle Details zeigt, inklusive der kompletten Trauung und den abendlichen Spielen. So können die beiden sich ihren wichtigsten Tag im Leben noch einmal in Erinnerung rufen. Der Hochzeitstag fliegt nur so an den Paaren vorbei, weshalb sie sehr froh sind, auch eine aufwändig geschnittene Doku in die Hände zu bekommen.
Grundsätzlich schauen wir uns alle Locations einige Wochen vor der Hochzeit an. So können wir frühzeitig den Tagesablauf planen. Wer ist wann wo und mit welchem Equip? Welches Licht ist zu erwarten und was könnte Probleme bereiten? Wie lang sind die Fahrtstrecken und was wären gute Locations für die geplanten Paarshootings? Am Tag vor der eigentlichen Hochzeit fuhren wir ebenfalls alle Locations ab und machten Umgebungs- und Landschaftsaufnahmen, denn während der Hochzeit ist dafür keine Zeit mehr.
Gefilmt wurde mit den Canon DSLR Kameras 5D Mark III, 6D und 60D. Wir filmen grundsätzlich in 30p, entgegen dem verbreiteten Kinostandard 24p. Mit einer geringeren Framerate hatten wir immer Probleme mit Ruckeln, mit 30p sieht es deutlich flüssiger aus. Und wir haben noch ein wenig Puffer um kleinere Zeitlupen einzubauen. Auf allen Kameras ist der Marvel 3.4 Picture Style installiert, der ein schönes flaches Bild produziert. Schärfe, Sättigung und Kontrast sind manuell aufs Minimum gesetzt um ein möglichst „rohes“ Bild aus der Kamera zu bekommen. Am Schnittrechner lassen sich so die Bildparameter besser und kontrollierter wieder zurück führen.
Als Objektive verwendeten wir von Canon das 50mm 1.4, das 28mm 1.8, das 70-200 2.8 IS und das Tamron 28-75 2.8. Für den Timelapse unter der Kirche kam das Tokina 11-16mm auf der 60D zum Einsatz.
Wir verwendeten jeweils ein Manfrotto, ein Velbon und ein günstiges Hama Dreibeinstativ, je nach Anspruch für die jeweilige Aufnahme. Einen Timelapse oder ein unbewegtes Motiv kann man getrost auch von einem 20 Euro Stativ aus filmen. Zum grössten Teil verwenden wir jedoch die Manfrotto Fluid Einbeinstative, die bei maximaler Mobilität noch hervorragende Stabilität bieten. Für Schienenfahrten benutzen wir den edelkrone Slider, zur manuellen Fokussierung den edelkrone Follow Focus plus dem edelkrone Pocket Rig. Den Ton in der Kirche haben wir mit einem Rode Lavaliermikrofon, angesteckt an ein Zoom H1 Recorder in der Jackett-Innentasche des Bräutigams aufgenommen. Die Anlage der Kirche haben wir ebenfalls angezapft und auf einem Zoom H2n aufgezeichnet. Das hat uns wirklich einen klaren und sauberen Mitschnitt der Predigt des Pfarrers gebracht.
Der Film wurde parallel auf zwei Windows Systemen in Adobe Premiere CC geschnitten. Da wir viele Kamerabewegungen drin haben, mussten wir für diesen Film aussergewöhnlich viele Szenen mit Hilfe des Effektes „Verkrümmungsstabilisierung“ im After Effects stabilisieren. Zudem gab es Probleme mit dem internen Bildstabilisator des 70-200er Objektives. Alle Aufnahmen mit diesem Objektiv zeigten ein Zittern auf Grund der hohen Brennweite, obwohl immer mindestens von einem Einbeinstativ aus gefilmt wurde. Also mussten all diese Szenen ebenfalls stabilisiert werden. Mit Hilfe von Colorista 1.0 wurden der Kontrast und die Farben einzeln in jeder Szene korrigiert. Dann global in einer Einstellungsebene mit „Unscharf maskieren“ nachgeschärft, mit NeatVideo Rauschen entfernt und mit FilmConvert gegradet. Eine Zeitlupen-Szene wurde mit Twixtor realisiert. Anschliessend wurde der Highlightsfilm mit der höchsten Renderqualität und in 50 Mbit ausgegeben. Die Verwendung der vielen Effekte hatte zur Folge, dass dieser 9 Minuten Film ca 6 Stunden Renderzeit benötigte. Insgesamt erstellten wir 7 Versionen des Highlightsfilmes, weil bei der Sichtung des fertig ausgegebenen Materials jeweils immer wieder neue Fehler und Verbesserungspotential gefunden wurde. Die Zeitraffer erstellten wir in 4k-Auflösung im After Effects, die virtuellen Kamerabewegungen anschliessend wieder in Premiere.
Die Dokumentation wurde natürlich nicht mit allzu vielen Effekten gespickt, Hier und da ein bisschen die Farben korrigiert, zart nachgeschärft und mit FilmConvert den letzten Schliff mit gegeben. Das Rendern der Doku dauerte sagenhafte 27 Stunden, absoluter Rekord. Und unsere Systeme sind wirklich nicht die schwächsten. FilmConvert ist anscheinend ein elend langsames Tool. Die Daten landeten anschliessend auf einer 1 TB LaCie Porsche Design 2,5″ Festplatte. Mit Encore erstellten wir ein BluRay und DVD Menü und brannten jeweils 3 Exemplare, wobei ein Paar bei uns bleibt zur Archivierung. Die Cover und das Disc-Layout ist in Photoshop realisiert worden und wird ebenfalls mit auf die Festplatte gepackt, genau wie die BluRay und DVD Images zum selber nach brennen. Wir legen keinen Wert auf das Zurückhalten von Daten mit einer vorgehaltenen Copyright-Ausrede, um später mit Nachbestellungen nochmals Geld abzusahnen. Die Musik lizensieren wir bei themusicbed.com, alle Songs kommen ebenfalls noch als Soundtrack mit auf die Festplatte, inklusive Lizenzbestätigung.

Und nun genug des technischen Gefasels! Hier ist der offizielle Highlightsfilm von Jelena + Daniel!

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures

QUADCOPTER DROHNE DJI PHANTOM 2 UND GOPRO – VON DER VORBEREITUNG, SHOOTING, POSTPRODUKTION BIS ZUM UPLOAD

Philipp Bloom hat in seinem Blog einen riesigen Artikel über seine Erfahrung mit der Phantom 2, bestückt mit einer GoPro 3+, nieder geschrieben. Während eines kurzen Urlaubes in Thailand verbrachte er wohl die gesamte Zeit mit herumfliegen und Editing. Er beschreibt seinen kompletten Workflow, von der Vorbereitung, der sicheren Aufbewahrung des Materials fürs Reisen und warum er sich für bestimmte Locations entschieden hat. Wie hat er Probleme bei der Aufnahme gelöst, und wie ist er in der Postproduktion vorgegangen um dieses Ergebnis zu erlangen.

Philip Bloom ist wohl der schreib- und blogfreudigste Filmemacher. Er hat sich in der Netzgemeinde einen grossen Namen gemacht, und wird von vielen Equipmentherstellern als Referent und Reviewer geschätzt und gleichermassen gefürchtet. Ein Blick auf seinen Blog lohnt sich allemal! Hier der Link zum Artikel:

http://philipbloom.net/2014/06/06/kohyaonoi/

 

Grüsse, Stephan von Starshine Pictures